Garten & Haushalt Ein Eichhörnchen im Gras

Veröffentlicht am 17. September 2018 | von Talie

0

Eichhörnchen Nachbarschaftshilfe

Wer Eichhörnchen in der Nachbarschaft hat kann sich über putzige Momente mit den kleinen Nagern freuen. Sie sind in der Regel gern gesehen, machen nichts kaputt und werden auch nicht zur Plage. Im Herbst und Winter 2018 müssen wir uns allerdings um sie sorgen. Der heiße Sommer hat viele Nahrungsquellen von Eichhörnchen früh reifen und auf den Boden fallen lassen. Während sie noch mit dem Aufziehen der Jungtiere beschäftigt sind, verfault also ihr Wintervorrat auf dem Boden. Sie werden es trotzdem sammeln. Wenn sie im Winter darauf zurück greifen wollen, werden sie erst dann feststellen, dass ihr Vorrat zerstört ist. Die Folge sind Hungertode.

Für eine ausgewogene Ernährung sind Eichhörnchen auf unterschiedliche Baumarten und unterschiedlich alte Bäume angewiesen. Da auch viele Eichhörnchen inzwischen in Städten leben, wird es da ohnehin schon knapp. Im Winter verschärfen sich ihre Probleme, wenn sie durch zu viel Schnee und Frost nicht an ihre angelegten Vorräte kommen oder diese versehentlich beseitigt wurden, wie z.B. im Stadtumfeld.

So stellt sich die Frage: Was kann man tun, wenn man helfen möchte? Aus diesen Gründen befürwortet der Eichhörnchen Notruf e.V. auch eine Zufütterung. Sogar übers ganze Jahr. Wer Interesse am Füttern von Eichhörnchen hat sollte also unbedingt diesen Winter anfangen! Aber welche Nahrung nimmt man? Und wo platziert man die? Es ist eigentlich ganz einfach und man muss nicht einmal unbedingt Geld ausgeben.

Nahrungsquellen für Eichhörnchen

Das Futter für die Hörnchen kann man recht gut in unserer Natur sammeln. Eichhörnchen sind Allesfresser. Überwiegend ernähren sie sich von Nüssen, Samen, Früchten und Pflanzen. Gelegentlich kommt auch Fleisch, beispielsweise in Form von Insekten, dazu. Der Mensch kann gut mit folgendem Futter zufüttern:



Das Futter für die Hörnchen kann man also recht gut in unserer Natur sammeln. Eicheln sind übrigens nicht das Lieblingsessen der Eichhörnchen, auch wenn der Name das vermuten lässt. Sie sind dafür leicht zu sammeln. Wer den Eichhörnchen was bieten möchte, sollte eine Mischung aus den verschiedenen Nüssen und Samen zusammenstellen. Die letzten beiden, Zirbel- und Pinienkerne, sind wirklich heiß begehrt. Die kann man aber nicht sammeln und sind im Handel eher teuer. Wer für die Eichhörnchen selber sammeln geht, sollte die gefundenen Nüsse und Samen gut trocknen lassen. Gut geeignet zum Trocken sind luftige Orte ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Wichtig ist auch das man Eichhörnchen harte Nahrung, also Nüsse mit Schalen, anbietet. Das liegt daran das ihr Zähne das ganze Leben lang wachsen und somit zwischendurch abgearbeitet werden müssen.

Neben Futter ist es auch hilfreich, wenn man auch im Winter Wasser anbietet. Besonders bei viel Frost und keinem Schnee. Dann haben sie nämlich so gut wie keine Möglichkeit an Trinken zu kommen. Sie trinken aus Pfützen, kleinen Wasserstellen und im Winter fressen sie Schnee. Bei Dauerfrost ohne Schnee sind sie also dringend auf andere Quellen angewiesen.

So wird das Futter für die Eichhörnchen platziert

Die Hörnchen haben einige Feinde am Boden. Schleicht sich ein Feind an ist es sehr wichtig für ein Eichhörnchen, dass der nächste hohe Baum nicht weit weg ist. Werden sie auf offenem Feld gejagt, unterliegen sie häufig. Also muss das Futter am allerbesten nicht auf den Boden gestellt werden sondern direkt an einem Baum befestigt werden. Nachdem sie sich etwas Futter genommen haben, ziehen sie sich häufig weiter oben in den Baum zurück, um in Ruhe zu fressen. Ein Brett, das erhöht im Baum befestigt wird, ist sehr gut. Ist es so angebracht das das Eichhörnchen von dort aus leicht auf einen dickeren Ast oder eine Astgabel kommt ist es optimal. Kann man kein Brett anbringen, hat man vielleicht auch die Möglichkeit ein Körbchen mit kurzen Schnüren an einen Ast zu binden, oder in Astgabeln oder ähnlichem ein paar Nüsse zu legen. Hauptsache nicht auf dem Boden. Man kann auch Futterhäuschen oder Spender kaufen und diese dann befestigen.

Für die Versorgung mit Wasser eignen sich besonders flache Schalen, mit täglich frischem Wasser. Und auch das Wasser sollte am besten nicht auf den Boden stehen. Wenn es geht, wäre das Schälchen am besten im Baum aufgehoben.

Sollte das Essen und Trinken nicht befestigt werden können, muss darauf geachtet werden das der Baum zumindest unmittelbar in der Nähe ist. Muss das Eichhörnchen erst eine große Wiese beispielsweise überqueren, ist das recht gefährlich für das Tier.

Erste Hilfe für in Not geratene Eichhörnchen

Auch mit Futterstellen können Eichhörnchen in Not geraten. Zum Beispiel weil ihr Nest (oder auch Kobel) zerstört ist oder der Eichhörnchenmutter etwas zugestoßen ist. Auch kann es passieren, dass junge Tiere herunter fallen. Gründe gibt es auf jeden Fall viele….und ebenfalls viele Gründe gibt es in einer solchen Situation selbst verunsichert oder überfordert zu sein. Gut für das Eichhörnchen, dass es ein paar ihm unbekannte Freunde hat. In dem Fall wendet man sich nämlich an diese. Bei Eichhörnchen in Not und bei Eichhörnchen-Schutz e.V. findet man viele regionale Telefonnummern für Hilfe und der Eichhörnchen Notruf e.V. bietet täglich die Möglichkeit sich telefonisch an ihn zu wenden. Das ist natürlich sehr gut und sollte auch genutzt werden. Mit zusätzlicher ersten Hilfe kann man dann sehr viel erreichen.

Jungtiere

Besonders Jungtiere suchen, wenn sie in Not geraten, auch Hilfe von Menschen. Sie laufen ihnen nach und klettern teilweise sogar am Menschen Hoch. Dieses Verhalten zeigt in der Regel, dass die Jungtiere Hilfe brauchen. Eine Eichhörnchenfamilie hat meistens 2 bis 6 Jungen. Deshalb sollte man sich genau am Fundort des einen Jungtiers umschauen, ob nicht noch weitere Geschwister in der Nähe sind. Die Tiere können sich aber aus Angst verstecken und der Fundort sollte deswegen mehrfach abgesucht werden. Am besten über 2 – 3 Tage hinweg nach Geschwistern suchen.

Junge Eichhörnchen kann man auch ohne Sorge anfassen. Sie werden deswegen nicht von der Mutter abgelehnt. Auch übertragen Eichhörnchen keine Krankheiten. Auch keine Tollwut. Jungtiere werden häufig von der Mutter zurückgeholt. Darum sollte man die Jungtiere erstmal beobachten und vor Raubvogeln, Katzen und anderen Feinden schützen.  Es ist nicht unüblich das die Mütter ihr Junges sucht und wieder aufnimmt.

Was die Mütter schlechter annehmen sind unterkühlte Jungtiere. Deshalb kann, als aller erste Maßnahme, das Jungtier mit einem T-Shirt, Pulli oder ähnlichem direkt vor Ort gewärmt werden. Entdeckt man die Mutter, die nach ihrem Junges sucht, setzt man das Tier ab und entfernt sich ein Stück. Dann wird beobachtet, ob das Muttertier ihr Jungtier wieder holt.

Erwachsene Eichhörnchen

Sie gehen nicht mehr so offen auf Menschen zu, wenn sie in Nöten sind. Es empfiehlt sich ein Handtuch oder Handschuhe zu verwenden, um es aufzunehmen. Wenn sie nicht mehr fliehen können, kann es passieren das sie aus Angst zuschnappen, was ganz schön weh tun kann.

Erstversorgung von Eichhörnchen

Sollte keine Eichhörnchenmutter auftauchen bzw. man hat ein erwachsenes Eichhörnchen gefunden, sind weitere Maßnahmen nötig.

In der Regel muss man die Eichhörnchen dafür erstmal an einen ruhigen und sicheren Ort unterbringen. Dabei muss man bedenken, dass das Tier vermutlich schon viel durchgemacht hat. Sollte es sogar vor Angst und Stress quietschen, können die Augen bzw. der Kopf vorsichtig abgedeckt werden. Ein Transport nach Hause unter dem Pulli ist eigentlich ein guter Ansatz. Der Körperkontakt wärmt das Eichhörnchen und hilft den Stress zu lindern.

Zuhause angekommen geht es gleich weiter. Die wichtigsten Maßnahmen sind Wärmen und mit Flüssigkeit versorgen. Kleine und geschwächte Tiere unterkühlen schnell, auch wenn es ein eher warmer Wintertag sein mag. geeignet sind Wärmflaschen und erwärmte Körnerkissen. Das Tier sollte aber die Möglichkeit haben sich von der Wärmequelle zu entfernen, wenn es ihnen zu warm wird. Ein Handtuch, T-Shirt der Pulli zum einkuscheln sind ebenfalls gut. Gesammelte Sachen wie Laub, Moos oder auch Stroh bieten leider nicht genug Wärme für die Erstversorgung.

Flüssigkeit zuführen ist der schwerere Punkt. Das wichtigste zuerst: Keinen Milchersatz bei der Erstversorgung verwenden! Das kann zu Magenkrämpfen oder schlimmer zum Keislaufkollaps führen, je nachdem wie lange das Eichhörnchen schon Unterversorgt ist. Am besten ist es Wasser abzukochen und mit ein wenig Honig und einer winzigen Priese Salz zu versetzen. Erst später wird das Tier, idealerweise durch eine Fachperson, mit Muttermilchersatz versorgt. Aber nochmal Schritt für Schritt:

  1. 200 ml Wasser kochen
  2. Abkühlen lassen und 2 TL Honig und eine kleine Priese Salz einrühren.
  3. Die Lösung in eine Pipette oder Spritze ohne Kanüle ziehen. Hat man beides nicht zur Hand gehen auch Halme, die man in die Flüssigkeit taucht und dann mit dem Finger oben abdichtet.
  4. Das gefüllte Medium nun vorsichtig in die Backentasche oder an die Lippen führen.
  5. Tröpchenweise die Flüssigkeit nun zuführen. Wichtig ist wirklich langsam die Flüssigkeit zuzuführen. Für ganz kleine Hörnchen nur 2 bis 3 ml. Für Tiere über 50 g dürfen es 3 bis 5 ml sein. Dafür sollte ungefähr alle 15 Minuten Flüssigkeit gegeben werden.

Wenn es von alleine trinkt, kann dem Tier soviel gegeben werden wie es möchte. Anders rum wenn es nicht mal mehr schluckt, beim Zuführen der Flüssigkeit, muss das Tier sofort zum Tierarzt.

Bei ganz Jungen Tieren (unter 7 Wochen) sollte man besser schneller als langsam professionellen Rat einholen. Um sie aufzupäppeln und zu pflegen kommen zusätzliche Maßnahmen dazu. Ihnen muss man beispielsweise noch helfen zu urinieren. Sie können es einfach nicht alleine, aber es ist nun mal wichtig. Ein Blasenhochstand kann zu Atemproblemen führen. Außerdem müssen schädliche Stoffe ausgeschieden werden. Also eine kurze Anleitung:

  1. Ein weiches, trockenes und ein weiches, mit Wasser befeuchtetes Papiertuch bereit halten.
  2. Das Eichhörnchen vorsichtig in die Hand nehmen und auf den Rücken drehen.
  3. Mit dem trockenen Papiertuch ohne Druck und regelmäßig über das Geschlechtsteil fahren. Wichtig: Ohne Druck!
  4. So lange Durchführen bis kein Urin mehr kommt
  5. Mit dem feuchten Papiertuch vorsichtig reinigen.

Da dieses Vorgehen für das junge Eichhörnchen ungewohnt ist, kann es sein dass es etwas zappelt. Sobald es anfängt zu urinieren, halten die Meisten aber wohl still. Ist der Urin klar und hell, ist das auch gleich ein gutes Zeichen. Sollte er aber Dunkel sein und riechen sollte man die Flüssigkeitszufuhr erhöhen. Tritt keine Besserung ein muss ein Tierarzt aufgesucht werden.

Eine weitere Sache muss das Hörnchen nach der ersten Versorgung über sich ergehen lassen. Eine Beurteilung des Tieres ist notwendig. Dazu schaut man sich das kleine Tier genau an.

  • Wie agil ist das Tier?
  • Wie gut ernährt sieht das Tier aus? Gut ernährt oder mager?
  • Hat es Verletzungen? Dazu gehören Fleischwunden, abgebrochene Zähne, Knochenbrüche und Blutergüsse. Auch innere Verletzungen können sich durch Blutungen aus Mund und Nase zeigen.
  • Ist es von Parasiten befallen? Besonders bei Wunden sollte das kontrolliert werden. Man sucht nach weißen Eiern an Fleischwunden.
  • Wenn es Verletzungen hat, wie Alt erscheinen die Wunden?
  • Bewegt es alle 4 Beine oder zeigen sich Lähmungen?
  • Gibt es sonstige Auffälligkeiten?

Je nachdem, wie diese Beurteilung ausfällt muss das Tier zum Tierarzt. Auf Wildtiere sind aber natürlich nicht viele Ärzte spezialisiert. Eine Absprache mit dem Arzt wäre vorher wichtig, da Eichhörnchen mit vielen Medikamenten nicht klar kommen. Unter keinen Umständen sollten es Entflohungsmittel bekommen, auch wenn es von Parasiten befallen ist. Diese Mittel sind einfach nicht geeignet für Eichhörnchen und können zum Tod führen. Also auf jeden Fall den Tierarzt fragen, ob er Wildtiererfahrung hat oder einen Kollegen kennt. Wer Angst vor anfallenden Kosten hat spricht auch das am besten gleich mit dem Arzt ab. Viele Ärzte sind Kulant bei Wildtieren, da man selber ja auch nur Finder und Helfer und nicht Besitzer ist.

Ansonsten braucht das Tier vor allem Ruhe. Dafür sucht man sich einen ruhigen Ort in der Wohnung aus. Haustiere sollten sich dort nicht aufhalten. Besonders Jungtiere sind sehr Stressanfällig. Alle Familienmitglieder sollten versuchen Rücksicht zu nehmen. Das Tragen unter dem Pulli ist aber auch jetzt wieder keine schlechte Idee. Der Körperkontakt fühlt sich auch für Eichhörnchen geborgen an.

Wenn das Tierchen keine großen Verletzungen hat und sich nach relativ kurzer Zeit auch wieder erholt und aktiv wird, umso besser! Ein aktives Eichhörnchen könnte auch wieder versuchen zu klettern. Also muss weiter sichergestellt sein, dass es dann nicht abstürzt oder sich klemmen kann.

Nachdem das Tier versorgt wurde und anfängt sich zu erholen, muss man auch schon wieder den Abschied planen. Die jungen Tiere müssen zu einer Auffangstation, um dort professionell aufgezogen und später ausgewildert werden. Bei Jungtieren sollte aber zunächst versucht werden, sie wieder mit der Mutter zu vereinen. Wenn das Tier über Nacht versorgt wurde, kann man es manchmal am nächsten Tag an der Fundstelle wieder vermitteln. Eichhörnchenmütter suchen auch am nächsten Tag noch nach ihren Jungen! Erwachsene und wieder aufgepäppelte Tiere kann man da einfacher in die Freiheit entlassen.

Also….. Winter is coming und rettet die Eichhörnchen!


Autoreninfo

Ich bin gelernte Betriebstechnikerin mit grünem Herzchen. Ich liebe es in der Natur unterwegs zu sein und alles Mögliche zu sammeln. Es tut mir gut und zeigt mir den Wert von Ressourcen, die wir als selbstverständlich hinnehmen. Das überträgt sich auch auf meinen Haushalt. Ich möchte gerne nachhaltiger leben und denke, dass es vielen so geht wie mir…. Deshalb gibt es auch „Grüner Geht Immer“, wo ich alle meine Erkenntnisse teilen möchte. 😊



Kommentarfunktion geschlossen.

Back to top ↑