Garten & Haushalt

Veröffentlicht am 10. September 2018 | von Talie

0

Grillen und Nachhaltigkeit

Besonders an schönen Sommertagen, zu sportlichen Ereignissen oder bei Festen mit vielen Freunden wird gerne mal gegrillt. Aber wie kann man dabei trotzdem ökologisch gut abschneiden?  Wenig Müll und CO2 produzieren und trotzdem auf ein paar Annehmlichkeiten zurückgreifen können? Auch beim Grillen geht das. Grundsätzlich gibt es sogar verschiedene Ansätze. Man kann sowohl den Grill, die Befeuerungsart, das Grillgut als auch das Geschirr betrachten und findet vielleicht bei jedem Punkt etwas, um seine eigene Nachhaltigkeit ohne großes verbiegen zu verbessern.

Der Grill

Der TÜV-Rheinland hat sich bereits vor einiger Zeit damit befasst welcher Grill welche Emissionen erzeugt. Dabei wurde sowohl die Produktion der unterschiedlichen Grills betrachtet, als auch die CO2-Bilanz beim Grillen. Auch der Einfluss des Grillgutes wurde untersucht…dazu später mehr.

Am schlechtesten ist die Ökobilanz bei Einweggrills. Die Ressourcen, die für die Herstellung verwendet werden, stehen in keinem Verhältnis zum einmaligen nutzen. Hier scheiden Mehrweggrills deutlich besser ab. Die Bilanz für die Produktion von Mehrweggrills, Gas-, Kohle- und Elektrogrill, unterscheiden sich nicht so sehr.

Die Studie zeigt weiter, dass sowohl Gas- als auch Holzkohlegrill ähnlich viel CO2 produziert. Auch der Elektrogrill verbraucht ähnlich viel Energie, die auch irgendwie gewonnen werden muss. Er schneidet aber mit einem kleinen Vorsprung am besten ab

Grillen mit Holzkohle

Kohle ist aber nicht gleich Kohle. Es lohnt sich genauer hinzuschauen. Das DIN-Siegel oder der Hinweis nach DIN ISO 1860-2 zertifiziert zu sein, versichert, dass für die Kohle keine chemisch belasteten Materialien verwendet wurden. Alte Möbel sind beispielsweise häufig belastet, werden aber teilweise trotzdem verwendet.

Holzkohle mit zusätzlichem FSC Siegel bzw. PEFC Siegel stammt von Hölzern aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Teilweise findet man auch Kohle mit dem Naturland-Siegel, welches für ökologischen Landbau steht.

Manche Kohlehersteller lassen sich auch noch vom TÜV verschiedenste Eigenschaften bescheinigen. Das können Eigenschaften sein wie generelle Qualität, Ergiebigkeit oder dass die Kohle regelmäßigen Kontrollen unterliegt.

Alternativen zur Holzkohle

Es gibt inzwischen verschiedene Alternativen auf dem Markt, die sich noch weiter etablieren könnten.  Dazu gehört Kohle aus den ausgepressten Kernen von Oliven und Kohle aus der Schale von Kokosnüssen. In beiden Fällen werden die Materialen, die als Reste in der Lebensmittelproduktion anfallen, verwendet. Für diese Kohle wird gar kein Holz verwendet. Deswegen haben sie zum Beispiel das FSC- oder PEFC-Siegel nur für die Verpackung. Zusätzlich lassen sich einige Hersteller nach DIN ISO 1860-2 zertifizieren, um zu zeigen das eine chemisch belasteten Materialien verwendet werden.

Diese Kohlen stehen der Holzkohle in nichts nach. Sie brennen sogar länger und erzeugen weniger Rauch. Bei der Kokoskohle ist zusätzlich die Aschebildung noch geringer, im vergleich zur Holzkohle. Manchmal ist die Verfügbarkeit eher das Problem. Man bekommt sie teilweise in Baumärkten. Aber auch in Supermärkten ist sie manchmal zur Grillsaison zu finden. Im Internet wird man in der Regel fündig.

Kohle aus den Kernen von Oliven

Für diese Kohle werden die Reste von Olivenkernen, nach der zweiten Ölpressung, genommen. 100% Recycled. Die Kohle ist ausgezeichnet und vom Naturschutzbund NABU empfohlen.



Kokoskohle

Ebenfalls 100% Recycled und sehr ergiebig sind die Kohlen aus der Kokosnussschale. Die Schalen kommen aus der Herstellung von Kokosnussmilch und Öl. Kokoskohle wird auch für die Beheizung von Innenräumen verwendet.



Anzünder

Gewöhnliche Anzünder

Sie bestehen in der Regel aus Produkten die Erdölbasiert sind. Brennen tut das gut. Die Rohstoffe sind allerdings nicht sehr nachhaltig. Der Geruch ist dabei auch eher unangenehm, sowie man bei manchen Anzündern besonders vorsichtig sein muss, damit es nicht zu einer Verpuffung bzw. spontanen Entzündungen kommt. Vorsicht ist aber natürlich generell geboten, beim Spiel mit dem Feuer.

Anzünder aus nachhaltigen Rohstoffen

Mit Wachs überzogene Holzwolle gibt es schon lange im Handel zu kaufen. In der Regel wird es zum Anzünden von Kaminen benutzt. Aber auch für den Grill kann es gut verwendet werden. Die dafür verwendeten Rohstoffe sind in der Regel nachhaltig und ein weiterer Vorteil ist, dass beim Anzünden ätherische Öle aus dem Holz mit verbrennen. Das sorgt für einen deutlich angenehmeren Duft, als es bei Erdölbasierten Produkten der Fall ist. Angeblich hält es auch Mücken fern. Wie gut das tatsächlich funktioniert, können wir aber nicht sagen.



Selbstgemachte Anzünder

Generell kann man den Grill mit vielen verschiedenen Dingen befeuern. Mit kleinen Ästen und Stöckchen oder Karton beispielsweise. Gut bewährt haben sie sich besonders zwei selbstgemachte Anzünder: gewachste Tannenzapfen und Holzspäne mit Wachs im Eierkarton. Der Vorteil: Kostet nix außer Geduld und ein bisschen Einsatz.

Sammeln für die selbstgemachten Grillanzünder

Neben den anderen Materialien benötigt man in beiden Fällen Kerzenwachs. Man kann die Kerzenreste aus dem Haushalt verwenden, wobei das auch meistens nicht sehr große Mengen sind. Deshalb ruhig das ganze Jahr sammeln. Weihnachten braucht man in der Regel zwar keine Grillanzünder, aber Kerzen sind dann mehr im Einsatz als sonst im Jahr. Auch nachfragen lohnt sich. In manchen Restaurants kann man unter Umständen fragen, ob Kerzenreste anfallen.

Gewachste Tannenzapfen

Dieser Anzünder ist leicht gemacht, wenn man ein wenig im Vorfeld plant. Man benötigt Tannenzapfen. Die können gut im Herbst gesammelt werden und sollten dann gut durchtrocknen, zum Beispiel bis zum Start der nächsten Grillsaison. Danach können sie mit der Wachschicht überzogen und eingesetzt werden.

Holzspäne mit Wachs im Eierkarton

Für diesen Anzünder benötigt man Holzspäne. Ideal wenn man sowieso Bäume zurückschneiden und häckseln muss. Ansonsten kann man bei Holzverarbeitenden Gewerben anfragen ob Holzspäne von unbehandeltem Holz anfällt. Aus persönlicher Erfahrung sind viele hilfsbereit, auch weil die Späne für das Gewerbe häufig Abfall ist. Die Eierkartons fallen in der Regel so im Haushalt an und müssten nur gesammelt werden, wenn man die anderen Materialien hat. Man benötigt für die Anzünder nur den unteren Teil der Kartons.

Grillgut

Unser Essen hat generell einen Einfluss. Und nicht nur das… meistens steckt der größte CO2-Posten beim eigenen Warenkorb. So auch beim Grillen. Laut dem TÜV-Rheinland gehen 95% der CO2-Emissionen beim Grillen auf das Grillgut zurück. Hier steckt also großes Einsparungspotenzial. Dazu ein paar Hinweise:

  • Saisonales Gemüse aus der Region hat die beste Bilanz
  • Fleisch aus der Region ist in der Regel besser in der Ökobilanz als Fleisch, das von weiter weg bezogen wird
  • Schwein verbraucht weniger Ressourcen als Rind und Hähnchen

Am besten ist übrigens in der Regel der Mais. Der schmeckt, egal ob pur oder mariniert, auch immer fantastisch vom Grill.

Aluschalen und Co auf dem Grill

Kein Grillen ohne ein paar Hilfsmaterialien…sei es für die Folienkartoffeln oder als Fettpfanne – Alufolien und Schalen werden häufig benötigt. Je weniger man davon nutzt, umso besser ist es natürlich für die eigene Bilanz.

Tropft Fett vom Grillen auf die Kohle ensteht eine ganze Menge Rauch und Ruß wird aufgewirbelt. Was dadurch an das Grillfleisch gelangt, ist gesundheitsschädlich. Um zu vermeiden, dass Fett auf die Kohle tropft werden Schalen mit Abtropfrinnen benutzt. Manche Grills haben im Grillrost integrierte Ablaufvorrichtungen für den Grill. Wer einen solchen Grillrost hat, kann sich so manche Aluschale schon mal sparen. Ansonsten können die gekauften Aluschalen auch gereinigt und Mehrfach verwendet werden.

Geschirr

Grillt man Zuhause im Garten oder auf dem Balkon, stellt sich das Problem mit dem Geschirr weniger. Dort greift man einfach auf das Mehrweggeschirr zurück. Grillt man allerdings woanders, beispielsweise auf öffentlichen Grillplätzen, muss man sich überlegen worauf man sein Steak legen kann. Wenn das Gewicht auch unterwegs keine große Rolle spielt, packt man einfach sein Porzellan ein. Es gibt auch Koffer, die voll ausgestattet sind mit Mehrweggeschirr.

Auch auf dem Markt für Einweggeschirr gibt es inzwischen mehr Alternativen, als den weißen Plastikteller. Aus nachhaltigeren Ressourcen wie Palmblättern oder Laub werden diese gefertigt. Aus Laubblättern werden in Asien schon seit langer Zeit Teller hergestellt. Die Blätter werden dabei von Hand gestickt und danach weiter zu Behältern in den unterschiedlichsten Formen gepresst. Dabei werden nur Materialien verwendet, die auch kompostiert werden können. Das Geschirr aus Laub besitzt die gleichen Eigenschaften wie Einweggeschirr aus Plastik. Es ist genauso fest und wasserundurchlässig. Ähnlich sieht es bei Geschirr aus Palmblättern aus, welche in Indien schon lange genutzt werden. Für die Herstellung werden ebenfalls nur Rohstoffe verwendet die gut kompostierbar sind. Eben nur getrocknete Palmblätter, die gepresst wurden. Keine Beschichtung oder ähnliches ist nötig.

Vorsicht ist bei Besteck aus Bambus geboten. Hier muss genauer hingeschaut werden was die Bestandteile, außer Bambus, sind. Häufig enthalten sie nämlich trotzdem einen hohen Anteil an Plastik.



Fazit zum Ökogrillen

Der größte Posten an CO2 und verbrauchten Ressourcen liegt beim Grillgut. Wie schon kurz beschrieben hat das Essen eigentlich immer den größten Einfluss. Deshalb sollte man aber nicht bei allem anderen wegschauen. Bei den vielen kleinen Möglichkeiten kann man sich die Optionen raussuchen, die für einen persönlich gut umsetzbar sind. Für den Einen ist das das Sammeln von potentiellen Anzündern im Wald und für den Anderen ist es das Nutzen anderer Kohle.


Autoreninfo

Ich bin gelernte Betriebstechnikerin mit grünem Herzchen. Ich liebe es in der Natur unterwegs zu sein und alles Mögliche zu sammeln. Es tut mir gut und zeigt mir den Wert von Ressourcen, die wir als selbstverständlich hinnehmen. Das überträgt sich auch auf meinen Haushalt. Ich möchte gerne nachhaltiger leben und denke, dass es vielen so geht wie mir…. Deshalb gibt es auch „Grüner Geht Immer“, wo ich alle meine Erkenntnisse teilen möchte. 😊



Kommentarfunktion geschlossen.

Back to top ↑