Recycling Würmer aus dem Wurm-Cafe verdauen Biomüll und machen daraus Humus

Veröffentlicht am 14. September 2017 | von Talie

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Biomüll: Humus und Dünger, statt schlechte Gerüche, Maden und Fruchtfliegen

Der Biomüll aus dem eigenen Haushalt ist meistens ein lästiges Übel, obwohl in ihm eigentlich ein großes, ungenutztes Potenzial steckt. Jeder der einen Garten oder einen bepflanzten Balkon hat kann und sollte dieses Potential für sich nutzen. In der Regel steht er einfach nur in der Küche und verbreitet schnell üble Gerüche. Zusätzlich schlüpfen Fruchtfliegen und Maden, auf die man in der Küche gerne verzichten möchte.  Und da die Behälter meist nicht groß sind, muss der Müll entsprechend oft in eine Tonne entsorgt werden.

Warum ist Biomüll so wertvoll?

Aus dem Biomüll kann man mit einfachen Mitteln Humus und Dünger herstellen und damit einen Mehrwert für alle Pflanzenbesitzer schaffen. Humus besteht aus einer Vielzahl an organischen Verbindungen und ist bedeutend für einen fruchtbaren Boden. Dünger aus Bioabfall ist Nährstoffreich und kann gut mit Kunstdüngern konkurrieren.

Was passiert mit dem Biomüll?

Für den Biomüll gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hat man das Glück einen größeren Garten zu haben, kann man sich einen Komposter bauen und hat dadurch einen erstklassigen Kompost aus Dünger und Humus für sich parat. Wenn man eine Biotonne hat, dann kann man davon ausgehen, dass der Müll in Kompostier- und Gärungsanlagen oder Energiegewinnungsanlagen verwertet wird. Die Nutzer sind hier die Landwirte die die Kompost- und Gärungserzeugnisse zum größten Teil verwenden und sich dadurch den Kunstdünger und Humuszusatz sparen können. Hört sich erstmal gut an, laut einer Umwelt Bundesamt-Studie besitzen aber gerade einmal 50% der Haushalte eine Biotonne. Das bedeutet der Müll landet in der hälfte der Fälle wahrscheinlich im Restmüll und wird somit noch mit Energieaufwand entsorgt. Des Weiteren stehen Komposte und Gärreste in direkter Konkurrenz zu Kunstdüngern und können, laut Umweltbundesamt, regionale Umweltprobleme durch Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor verschärfen. Außerdem gibt es in Regionen mit viel Viehhaltung genug verfügbaren Dünger (Gülle) und es müssen weitere Transportwege für Bioabfallkomposte in Kauf genommen oder andere Absatzwege gesucht werden.

Kompost und Dünger herstellen – auch in kleineren Haushalten

Auch für Leute die nur einen bepflanzten Balkon oder kleinen Garten verfügen kann sich das Kompostieren schon lohnen.  Doch oftmals ist nicht genug Platz vorhanden für die konventionellen Verfahren. In solchen Fällen eignet sich ein Wurm-Café oder Bokashi-Eimer, mit dem man einfach den Biomülleimer in der Küche durch einen kleinen Komposter ersetzt. Der Bioabfall wird so direkt und Geruchslos umgesetzt. Wenn man den Biomüll ganz aus der Küche verbannen will gibt’s es auch Varianten die für die Verwendung draußen auf dem Balkon oder im Garten ausgelegt sind.

So Funktioniert der Bokashi Eimer

Das Wort „Bokashi“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „Allerlei“. Die Verarbeitung des Bioabfalls übernehmen hierbei spezielle Mikroorganismen. Es handelt sich um eine Mischung aus Hefen, Milchsäurebakterien und Photosythesebakterien, die in einer EM-Lösung (EM= effektive Mikroorganismen) vereint sind. Diese Mikroorganismen setzten die Bioabfälle zu einem wertvollen, flüssigen Dünger um, den man sich leicht über einen kleinen Auslaufhahn abzapfen kann. Bei der Umsetzung entstehen keine üblen Gerüche, im Gegensatz zu konventionellen Kompostern. Der Geruch innerhalb des Bokashis erinnert am ehesten an Sauerkraut.

Dieser Geruch dringt, wenn er geschlossen in der Küche steht nicht nach außen, da der Bokashi-Eimer aus einem luftdichten Plastikeimer mit Siebeinsatz besteht. Durch das Sieb fließt die Flüssigkeit, die beim umsetzten entsteht, ab. Dieser entstandene Sickersaft wird abgezapft, mit Wasser vermischt und kann dann direkt für die Düngung der Pflanzen und Blumen verwendet werden. Innerhalb von zwei Wochen haben sich auch die festen Bestandteile soweit umgesetzt, dass man den gesamten Inhalt mit Erde vermischen und als Dünger untergraben kann.

Mit der EM-Lösung die bei dem Bokashi verwendet wird kann man nicht nur Biomüll, sondern auch Gartenabfälle wie Rasenschnitte umsetzten. Dazu wird dann nicht der Eimer verwendet, sondern man sammelt die Rasenreste in einem Plastiksack und gibt dort die EM-Lösung zu. Den Plastiksack lagert man anschießend in einer dunkeln Ecke. Nach zwei Wochen hat sich eine Masse gebildet die man Entweder untergraben oder zur Verbesserung von Kompost verwenden kann.

So funktioniert das Wurm-Café

Beim Wurm Café lässt der Name schon vermuten wie der Biomüll verarbeitet wird – durch Kompostwürmer. Diese sind eine Art Regenwürmer, die spezialisiert drauf sind schnell die organischen Stoffe, aus denen der Biomüll besteht, umzusetzen. Die Würmer sind sehr pflegeleicht und auch bei diesem Verfahren entstehen keine schlechten Gerüche.

Das Wurm-Café oder auch die Wurmfarm besteht aus einem mehrschichtigen System, in der Regel 2-3 Arbeitsschichten und eine Wasser-Sammelschicht. Die oberste Schicht ist für den Bioabfall vorgesehen und die unterste Schicht zum Sammeln der Flüssigkeit. Die Flüssigkeit wird bei diesem Produkt Wurmtee genannt und kann wie beim Bokashi-Eimer ebenfalls über einen Ablasshahn entnommen werden. Die verschiedenen Arbeitsebenen sind herausnehmbar. So kommt man leicht an den Humus. Beim richtigen Umgang kann man alle die Produkte entnehmen ohne die Würmer anzufassen.

Vor und Nachteile von Bokashi-Eimern und Wurm-Cafes

Je nachdem wie der Haushalt aussieht eignet sich wahrscheinlich das eine oder andere Produkt mehr. Kompakt sind beide Produkte und sollten somit kein Problem dar stellen bei Platzmangel.

Beim Wurm-Café entsteht Humus, welchen man eigentlich jedes Jahr aufs Neue für seine Pflanzen benötigt. Außerdem erhält man auch einen guten Flüssigdünger. Ein Nachteil könnten die Würmer sein, wenn man jeglichen Kontakt lieber ausschließen möchte. Leider hat das Wurm-Café auch ein paar Einschränkungen an Lebensmittelresten, die man nicht darüber verwerten kann. Die Würmer vertragen generell keine Milcherzeugnisse, Fleisch und Fischprodukte. Für die ersten Monate wird vom Hersteller empfohlen auch keine Zitrusfrüchte und Zwiebelgewächse umzusetzen.

Beim Bokashi-Eimer entsteht guter Dünger, aber kein Humus wie beim Wurm-Café. Das heißt die festen Bestandteile müssen mit Erde vermischt werden bzw. untergegraben werden. Auf diese Art und Weise vererden die Festen Bestandteile innerhalb kürzester Zeit und die Nährstoffe werden so zugänglich für die Pflanzen. Um durchgehend einen Eimer in der Küche zu haben braucht man insgesamt mindestens zwei. Während ein Eimer gefüllt werden kann, ruht der zweite. Dafür kann man nahezu alles was mal gelebt hat, inklusive Essensresten und Fleisch-, Fisch- und Milchprodukten, mit den Mikroorganismen umsetzten und die Biotonne theoretisch komplett ersetzten.

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Ich bin gelernte Betriebstechnikerin mit grünem Herzchen. Ich liebe es in der Natur unterwegs zu sein und alles Mögliche zu sammeln. Es tut mir gut und zeigt mir den Wert von Ressourcen, die wir als selbstverständlich hinnehmen. Das überträgt sich auch auf meinen Haushalt. Ich möchte gerne nachhaltiger leben und denke, dass es vielen so geht wie mir…. Deshalb gibt es auch „Grüner Geht Immer“, wo ich alle meine Erkenntnisse teilen möchte. 😊



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