Recycling

Veröffentlicht am 28. Mai 2018 | von Talie

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Wurmkomposter – Erfahrungsbericht

Etwas über ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass ich Würmer im Wurmkomposter als Haustiere besitze. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich inzwischen gut eingegroovt und denke das es Zeit ist meine Erfahrungen zu Teilen.

Warum der Wurmkomposter aka das Wurmcafe?

Da ich gerne Gärtnere, brauche ich immer wieder Erde und guten Dünger. Dazu kommt, dass in unserem Haushalt von 5 Personen sehr viel Biomüll anfällt, da wir hauptsächlich Vegetarisch leben. Klar haben wir eine Biotonne, aber ich wollte schon lange das eine mit dem anderen verbinden und selbst Kompostieren. Es schien mir aber in einer Wohnung mit Balkon nicht möglich…

… bis ich auf die Wurmkomposter stieß!

Die Vorteile des Produkts werden von den Herstellern so Beschieben:

  • Platzsparend
  • Geruchsarm
  • Kontinuierliche Verwertung von Biomüll, ohne Umschichten oder dergleichen

Weitere von Herstellern häufig beschriebene Vorteile sind:

  • Kein Kontakt mit Würmern

Natürlich war ich direkt Feuer und Flamme für dieses Produkt, da es so viele Vorteile mit sich bringt. Falls es doch zu Kontakt kommt, habe ich aber auch keinerlei Angst vor den kleinen Würmern. Platzsparend, geruchsarm, einfach und kontinuierlich – das ist mir wichtig. Der Wurmkomposter war und ist für mich die passende Alternative.

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Aufbau und erste Schritte mit dem Wurmkomposter

Würmer im Wurmkomposter

Die Würmer im Wurmkomposter.

Da wir wie beschrieben mit 5 Personen leben und ich noch eine größere Ecke in der Küche frei hatte, entschied ich mich für ein etwas größeres Modell. Mit drei Böden für den Biomüll und einem Sammelbehälter unten drunter für die Flüssigkeit.

Ich bestellte den Komposter im Internet, natürlich direkt mit der Sorge wie es den Würmern dann wohl ergeht. Eine bessere Alternative, was die Würmer betrifft, habe ich leider auch nicht finden können. Die Lieferung ging aber schnell und den Würmern ging es augenscheinlich einigermaßen gut.

Der Aufbau war wirklich sehr einfach. Der Sammelbehälter für die Flüssigkeit wird auf 4 Beine gesteckt und es wird ein Ablaufhahn festgeschraubt. Die Böden mussten nur gestapelt und dann auf den Sammelbehälter gesetzt werden. Danach wird im untersten Boden eine Pappe eingelegt, um dann das erste mitgelieferte Substrat für die Würmer aufzufüllen.

In oder auf das Substrat werden dann die Würmer gesetzt. Dort graben sie sich dann schnell ein. Würmer sind zwar blind und taub, haben aber Rezeptoren für licht und graben sich schnell weil es ihnen zu hell ist an der Oberfläche.. Dabei zeigte sich dann auch, das nicht alle Würmer den Transport überstanden haben. Die toten Würmer bleiben dann oben liegen und müssen dann abgesammelt werden.

Der Aufbau war zwar ganz einfach an sich, aber an dieser Stelle habe ich trotzdem gleich einen dicken Fehler gemacht. In der Anleitung war beschrieben, dass eine Pappe mitgeliefert ist, die in den ersten bzw. untersten Boden eingelegt werden soll. Diese Pappe war für mich unauffindbar und so dachte ich, als unerfahrene Komposiererin, der Hersteller meint die Pappe der Verpackung… Bunt bedruckt… Diese habe ich dann zugeschnitten und eingesetzt. Im nachhinein völliger Quatsch, da bunt bedruckte Pappe und Papier niemals in den Komposter sollen. Die Pappe musste ich also wieder raus puhlen und habe statt dessen eine unbedruckte Pappe eingelegt. Naja! Kleine Sauerei, aber steile Lernkurve.

Bis auf die fehlende Pappe war aber nichts zu beanstanden. Schnelle Lieferung, der Zustand der Lieferung war einwandfrei, das Material vom Komposter wirkte gut und die Anleitung war für den Start auch ok.

Umgewöhnung bei der Mülltrennung

Nach dem Aufbau und während der Eingewöhnung der Würmer mussten auch ich bzw. unser Haushalt sich erstmal daran gewöhnen, dass es nun zwei Behälter zum Sammeln von Biomüll gibt. Einen mit Futter für die Würmer und einen für Biomüll, der nicht von den Würmern verwendet werden kann. Für mich war das nicht so schwer, da ich mich im Vorfeld damit auseinander gesetzt habe. Für die Familie habe ich dann am Anfang aber eine kleine Liste drüber gehangen, wo drauf stand was für die Würmer gesammelt werden soll.

Am Anfang gingen die Würmer stiften wegen falscher Bedingungen

Die Versorgung mit Futter lief gut an und wir füllten schnell den ersten Boden. Dadurch, dass der Komposter in der Küche stand, bekam ich auch gut mit wenn etwas nicht stimmte im Komposter. Denn dann gehen die Würmer stiften. Sie kriechen über die Seitenteile raus und fallen dann auf den Boden. Dort haben sie natürlich wenig Möglichkeiten sich zu schützen und sie vertrocknen schnell wenn man sie nicht rechtzeitig findet.  Das war natürlich nicht so toll. Ich habe mehrfach am Tag die Küche kontrolliert, um eventuell ausgebüchste Würmer zu retten. Soviel zum Thema „keinen Kontakt mit den Würmern“… Es wahr auch schwer zu sagen warum sie das tun. Zunächst dachte es liegt an der Temperatur, da es Winter war und die Küche gut beheizt. Deshalb habe ich sie dann auf den Balkon in eine geschützte Ecke gestellt, in der Hoffnung, dass die Würmer sich wohler fühlen. Ein bisschen hat es vielleicht geholfen, da die Würmer mit starker Hitze auch tatsächlich Probleme haben. Wie ich später feststellte war das Hauptproblem aber der pH-Wert. Obwohl ich nach Anleitung gekalkt hatte, war der Boden zu Sauer. Seitdem nehme ich mehr Kalk und habe den Eindruck das es jetzt auch besser läuft. Zwischendurch kontrolliere ich jetzt auch mit pH-Papier den Boden, um dann auch reagieren zu können wenn der pH-Wert zu niedrig ist.

Hält der Wurmkomposter was er verspricht?

Kompost: Der Kompost aus dem Wurmkomposter ist meiner Meinung nach fantastisch. Ich habe den ersten Kompost diesen Frühling einsetzten können. Er hat eine sehr gute Struktur und meinen Pflanzen bekommt der Kompost bisher auch sehr gut.

Wurmkomposter Humus

Hier kann man die feine Struktur des Endprodukts sehr gut erkennen.

Gerüche: Ob er geruchsarm ist liegt im Auge des Betrachters. In der Regel riecht es nicht faulig und schimmelig. Er verströmt aber schon einen Geruch von Waldboden – im schlechtesten Fall von modrigem Waldboden.  Das ist für geruchsempfindliche Menschen aber vielleicht schon zu viel. Persönlich empfinde ich es nicht als unangenehm.

Platz: Platzsparend ist der Wurmkomposter schon. Es gibt kleine Systeme, die auf der Arbeitsplatte in der Küche platz finden. Man sollte aber bedenken, dass die kleinen Wurmkomposter auch nur für den Müll von wenigen Personen geschaffen sind. Wir stoßen mit den drei Böden schon an die Grenzen, sodass ich Sammelpausen machen muss, da das System voll ist und der unterste Boden noch nicht komplett umgesetzt ist. Besonders Anfangs, wenn die Würmer sich noch vermehren müssen und der Umsatz nicht so schnell geht, wird das Platzproblem noch verschärft.

Meiner Meinung nach hält der Wurmkomposter leider nicht in allen Bereichen was er verspricht. Gerade im Bezug darauf, dass man keinen Kontakt zu den Würmern hat, muss ich das leider verneinen. Besonders am Anfang krabbeln sie gerne mal raus aus dem Komposter, bis man ein gutes Gleichgewicht eingestellt hat. Auch später, wenn man die unteren Böden auffüllen muss, da die Würmer sonst nicht mehr nach oben wandern können, hat man Kontakt. Oder aber auch beim Abfüllen eines fertig umgesetzten Boden. Ja, die überwiegende Mehrheit ist dann bereits in den nächsten Boden gewandert, aber ein paar Würmchen sind meistens trotzdem noch da. Wenn man wirkliche Kontaktprobleme mit den Würmchen hat, sollte man eine andere Alternative suchen.

Das kontinuierliche befüllen klappt sehr gut, bis der Komposter voll ist. Dann bleibt einem nur die normale Entsorgung über die Biotonne. Da man zum Start ungefähr 1000 Würmer einsetzt geht es halt am Anfang etwas langsamer. Später sollen bis zu 6000 Würmer im Komposter leben und der Umsatz geht entsprechend schnell genug, sodass man kontinuierlich füttern kann.

Bisherige persönliche Bewertung zum Wurmkomposter

Was ich richtig gut finde: die Einfachheit des Systems! Klar muss es sich ein wenig einspielen. Aller Anfang ist schwer. Aber das Kompostieren klappt wunderbar und die Würmer sind sehr pflegeleicht. Egal ob größeren Urlaub oder ähnliches, sie brauchen keine 24 Stunden Betreuung und können im Zweifelsfall auch länger ohne Aufsicht auskommen.

Was mich wirklich stört: Dass ich bisher keinen Anbieter für einzelne Böden zum Erweitern gefunden habe. Dadurch muss ich viel Biomüll wieder wegschmeißen anstatt es für mich umzusetzen.

Aber auch mit den kleinen Abweichungen ist der Wurmkomposter für mich ein tolles Produkt. Ich würde es mir auch wieder kaufen, da die beschriebenen Abweichungen mich wenig stören. Das Wurmcafe erfüllt seinen zweck und der gute Kompost und Flüssigdünger sind für mich sehr gut zu gebrauchen.


Autoreninfo

Ich bin gelernte Betriebstechnikerin mit grünem Herzchen. Ich liebe es in der Natur unterwegs zu sein und alles Mögliche zu sammeln. Es tut mir gut und zeigt mir den Wert von Ressourcen, die wir als selbstverständlich hinnehmen. Das überträgt sich auch auf meinen Haushalt. Ich möchte gerne nachhaltiger leben und denke, dass es vielen so geht wie mir…. Deshalb gibt es auch „Grüner Geht Immer“, wo ich alle meine Erkenntnisse teilen möchte. 😊



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